Veröffentlichung 1950






Entstehung 1975



Gastmann ermordet einen Geschäftsmann in Istanbul, den Bärlach und er in der Türkei kennen gelernt haben. Da der Mann in geschäftlichen Schwierigkeiten steckt, gehen die Behörden in Istanbul von Selbstmord aus.



Gastmann


Im Film dagegen ermordet Gastmann eine junge Frau, die er und Bärlach in Istanbul kennen gelernt haben.


Sie heißt Nadine. Gastmann hatte ein Verhältnis mit ihr. Sie  war schwanger von ihm. Die Filmversion verstärkt mit dieser Änderung Gastmanns Skrupellosigkeit, da er  mit der jungen Frau auch sein eigenes Kind tötet.


Dem Roman fehlt eine Frau in einer Hauptrolle. Im Film ist dies Anna, Schmieds Verlobte. Sie beginnt ein Verhältnis mit Tschanz, obwohl sie bereits Gastmanns Geliebte ist.

Ob sie zu den „Guten“ oder „Bösen“ gehört, bleibt spannend, bis sie am Schluss Bärlach  vor Gastmanns Mordplan bei dessen bevorstehender
Magenoperation  warnt.


In dem Kriminalroman ist die Beziehung zwischen Tschanz und Anna auf den Seiten 101 und 102 nur über ein Zusammentreffen angedeutet.

Von Bärlach erfährt man ferner auf Seite 114 nebenbei, dass Tschanz mit Schmieds Posten bei der Polizei auch dessen Auto und Verlobte "übernommen" hätte.




Tschanz verliert im Film keine Zeit, um die attraktive Anna für sich zu gewinnen

Im Film beginnt Anna noch am Tag der Beerdigung ihres Verlobten Schmied  ein Verhältnis mit Tschanz. Am selben Abend  verkehrt sie wieder in Gastmanns Haus. Das macht sie sogar für Kenner des Romans zur großen Unbekannten in dem „Spiel“ um Liebe und Tod

Der Film zeigt angedeutete, intime Szenen zwischen Anna und ihren beiden Liebhabern Gastmann und Tschanz.

Ganz sicher war dies ein Zugeständnis an den Publikumsgeschmack in den freizügiger gewordenen  70er Jahren.

Die veränderten Elemente motivieren Zuschauer, die den Roman schon kennen, zu Vergleichen.


Im Buch erfahren wir nur, dass der   „Schriftsteller“, der bei Gastmann verkehrt, über Tschanz ausgefragt wird.

Der Name „Dürrenmatt“ fällt nicht, obwohl dessen Wohnort Schernelz dies nahe legt.


Dürrenmatt hat es sich nicht nehmen lassen, die Nebenrolle des Schriftstellers zu spielen


Im Film  ist es tatsächlich Friedrich Dürrenmatt selbst, der von „Kommissär“ Bärlach und Tschanz „vernommen“ wird.

Der Autor verewigt  sich dadurch in seinem verfilmten Buch.

Diese Technik ist nicht unüblich und wird beispielsweise auch von Autoren wie Agatha Christie oder Alfred Hitchcock angewandt.


Gastmanns Anwalt, von Schwendi, tritt im Büro von Polizeichef Lutz zum letzten Mal bei seiner Beschwerde über die Ermittlungen der Polizei gegen seinen Mandanten auf.

Über sein weiteres Schicksal erfährt der Leser nichts mehr.




Von Schwendi versucht Polizeichef Lutz von der Unschuld Gastmanns zu überzeugen

Im Film ermordet Gastmann ein weiteres Mal quasi in Gegenwart von Bärlach einen Menschen. Er beordert den Kommissär zum Flughafen, nachdem er dort sein nächstes Verbrechen angekündigt hat. Das Opfer ist sein eigener Anwalt, von Schwendi, der tot auf einem Kofferförderband erscheint
.

Wie schon weiter oben angedeutet, haben Dürrenmatt und Maximillian Schell in ihrer gemeinsamen Regiearbeit die Grausamkeit und das Böse in der Figur Gastmann mit dieser weiteren sinnlosen Tat noch verstärkt.

Bärlach und Tschanz fahren zu Gastmanns Haus. Dort wird Bärlach, wie von ihm selbst geplant, von Gastmanns Wachhund angefallen. Die Kugel, mit der Tschanz den Hund erschießt, wird später noch ein wertvolles Beweisstück.

Nach einer kürzeren Diskussion mit Oberst von Schwendi, der Gastmanns Interessen vertritt, verlassen sie Gastmanns Grundstück.




Anna als charmante Gastgeberin im Haus von Gastmann, wie sie von Tschanz eifersüchtig durch das Fenster beobachtet wird

Im Film schaut Tschanz, nachdem er den Hund erschossen hat, durch ein Fenster in Gastmanns Haus.

Er sieht Gastmann und dessen  Mutter, die im Roman gar nicht auftaucht.

Außerdem sieht er einen echten oder künstlichen Frauenkopf.

Auch Anna, Schmieds ehemalige Verlobte, wird sichtbar.


Die Szene mit dem (echten?) Kopf einer (toten?) Frau steigert das Entsetzen über Gastmann und macht den Film noch spannender.  

Könnte das der Kopf von Nadine sein, die im Buch gar nicht auftaucht? Oder ein anderes Opfer der zahlreichen Verbrechen Gastmanns?


Sammelt er gar von seinen Verbrechen „Trophäen“?