Mit freundlicher Genehmigung der Badischen
Zeitung vom 6.12.2008
Derb, aber tiefschürfend
WALDKIRCH. Vor 100 Jahren starb der Urheber, sein
literarisches Werk lebt fort. Wilhelm Busch, von dem die
Rede ist, gelang es auf unnachahmliche Weise mit seinen
Geschichten und Gedichten Kinder und Erwachsene zu
beeindrucken und zu erheitern. Von seinen satirischen
Spitzfindigkeiten, die teils mit ungehobelten, schroffen
Tendenzen einhergehen und gerade deshalb so eindringlich
sind, gab Wolff-Ulrich Fenske beim "Wilhelm-Busch-Abend" im
Foyer der Kastelbergschule etliche zum Besten.
In die Wege geleitet hatte diese
Veranstaltung der Förderkreis der Schule, dem auch der Erlös
zugute kam. Zahlreiche Gäste ließen sich das Ereignis nicht
entgehen. Mit dem Zitat: "Durch Fehler wird man klug, darum
ist einer nicht genug," leitete Barbara Steinhart vom
Förderkreis nach der Begrüßung die Lesung des ehemaligen
Konrektors der Schule geschickt ein. Fridolin Steiert
(Klarinette) und Wolfgang Ochsenhirt (Gitarre) von der Band
"Swing Melodie" gaben dem Programm die musikalische
Ergänzung.
Wolff-Ulrich Fenske, das sei vorweg gesagt, scheint Wilhelm
Busch auf den Leib zugeschnitten zu sein. Die Rezitationen
waren köstlich und wurden zuweilen mit Buschs comic- (und
auch bos)haften Malereien ausstaffiert. Theatralisch kam
Fenske herein und sprach vom "Vogel auf dem Leim". Dem
folgten weitere bekannte und weniger bekannte Passagen aus
Gedichten und Geschichten, gespickt mit humoristischen
Abstechern in den Lebenslauf des großen Schriftstellers: Als
erstes Kind von sieben wurde Busch am 15. April 1832 in
Wiedensahl bei Hannover geboren. Bis Busch mit seiner
Schreiberei Geld verdiente, verging der Recherche Fenskes
zufolge erst mal viel Zeit. Unterrichtet wurde er bis 16
privat und lebte viele Jahre bei seinem Onkel. Dann ging er
auf Wunsch des Vaters nach Hannover. In der Fachschule
sollte Busch den Beruf des Maschinenbauers lernen, was
allerdings nichts für ihn war. "Mit 19 hat er den Schlüssel
weggeschmissen und ging auf die Kunstakademie nach
Düsseldorf." Hier lieg also das theoretische und praktische
Fundament; die einzigartige Form hingegen, die Wilhelm Busch
seinen künstlerische Werk verpasste, entsprang seiner
Originalität. Düsseldorf folgte Antwerpen, "Wilhelm Busch
blieb weiter arm". Mit Typhus kam er nach Hause zurück. Auch
in München hatte der Autor wenig Erfolg. "Noch elf Jahre
musste er warten." Mit "Max und Moritz", dem weltbekannten
Kinderbuch, das er auch selbst illustrierte, gelang endlich
im April 1865, als die sieben Streiche erstveröffentlicht
wurden, der Durchbruch. Einen dieser Streiche, nämlich den
vierten, vorenthielt Fenske den Zuhörern nicht, denn so
"lautet der Beschluss, dass der Mensch was lernen muss, und
das dies mit Verstand geschah, war der Meister Lemke da".
Der kam nur leider kaum zum Lehren, weil die beiden
Lausbuben ihre Streiche mit ihm trieben, in diesem Falle
sorgte die Tinte für eine Riesensauerei.
Auch "Der Narr", von dem folgende Verse handelten, hatte
nicht viel zu lachen. Aber noch grausamer erging es "Hans
Huckebein, dem Unglücksraben". Diese drastische
Bildergeschichte geht schon sehr unter die Haut, aber das
macht Busch aus. Weder "die stille Kunst des Pinsels" noch
"ein Politikus, der sich frönt der Rede voll Genuss, wo
gerade, wenn man nichts versteht, der Schnabel munter weiter
geht", machen ihn an. Unumwunden ist Wilhelm Buschs
Botschaft in Bild und Text. Auch in den Tiergeschichten, die
Fenske einfließen ließ. Mit deutlichem Wort geht es in
feinsinnige Tiefen und so gelingt es Busch glänzend,
charakterliche Eigenarten, und zwar von Vier- ebenso wie von
Zweibeinern, herauszuarbeiten, und dem Menschen etwas zum
Nachdenken, vor allem über sich selbst, auf den Weg zu
geben.
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Wolff-Ulrich Fenske inszenierte Gedichte und Geschichten von
Wilhelm Busch, eingeblendet waren dabei auch Malereien des
Schriftstellers, dessen Todestag sich 2008 zum 100. Mal
jährte.
| Foto:
Karin Heiss

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